Reklame Museum Thanstein

In der Grundschule, die kürzlich geschlossen wurde, hat die Gemeinde ein Museum für alte Reklame eingerichtet. Hier finden sich die Werbeartikel die früher Tante-Emma-Läden geziert haben, also Email- und Blechschilder, Papier-Reklame, Büchsen und Dosen für Kaffee, Tee, Zigaretten, Waschmittel usw.

Das kleine Museum in Thanstein ist kein Museum für Werbung, sondern heißt bewusst Reklame Museum. Es umfasst den Zeitraum 1880 bis 1960, in dem der Begriff Reklame hauptsächlich verwendet worden ist. Das Wort Reklame ist erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung aufgekommen. Erstmalig findet sich eine Definition in Meyer's Großem Konversationslexikon von 1906. Danach ist Reklame eine empfehlende Anzeige (Anpreisung), bei der im Unterschied von der einfachen Annonce die Anwendung mehr oder weniger schlau berechneter Mittel zur Erweckung des öffentlichen Interesses wesentlich ist. Trotz der Ausschreitungen des Reklamewesens und des Vorschubs, dem es dem Schwindel leistet, ist es ein bedeutsames Kulturmoment unserer Zeit, eine Macht, die sowohl segensreich als auch verhängnisvoll auf den modernen Handel und Verkehr einwirkt..."
Die Reklame ist wie gesagt ein Kind des 19. Jahrhunderts. Im Zuge der Industrialisierung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden erstmals Produkte in großen Stückzahlen industriell hergestellt, deren Absatz nur in einem größeren Markt möglich war. Vorher war die regionale handwerkliche Herstellung vorherrschend. Jetzt mussten die neuen Produkte einem großen Kundenkreis bekannt gemacht werden. Dazu benötigte man ein auffallendes und dauerhaftes Informationsmittel. Das war die Geburtsstunde der Blech- und Emailschilder, die über viele Jahrzehnte an Scheunen, Bahnhöfen und Tante Emma Läden Wind und Wetter trotzten. Diese traditionelle Reklame ging nach dem 2. Weltkrieg allmählich zu Ende. Der Kunststoff ersetzte zunächst die alten Emailschilder. Mit dem Niedergang der Tante Emma Läden und dem Aufkommen der Supermärkte war das Zeitalter der nostalgischen Schilder endgültig zu Ende. Wie häufig im Leben erinnerte man sich an diese alten Dinge erst wieder, als sie nicht mehr vorhanden waren. Unser kleines Museum möchte aber auch der jüngeren Generation einen Einblick in die Anfänge der kommerziellen Werbung geben, die heute - in anderer Form - unser Alltagsleben so massiv bestimmt. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Freude beim Besuch unseres Museums.
Bildnachweis: Ludwig Dirscherl - Reklame Museum Thanstein

Dieser Eintrag erfolgt über die Content-API eT4 META® der hubermedia GmbH (http://hubermedia.de/et4-meta).

Adresse:

Reklame Museum Thanstein
Eibensteinstr. 14
92554 Thanstein

 

Öffnungszeiten:
jeden 1. Sonntag im Monat von 14 − 16 Uhr;
ansonsten kann es in Absprache mit dem Wintergarten Café besichtigt werden (ggü. Museum)
Tel.: 09676 339